Max Riedl: Hundert  Jahre Schach in  Furth im Wald und Waldmünchen

Vor 1922

Der erste Further Schachchronist  Martin Vogl schrieb 1954: „Interessant ist, dass bereits vor dem 1. Weltkriege ein Schachclub bestanden hat und besonders in  den Jahren 1910- 1914 und nach dem Kriege 1920 bis 1930 in beachtlicher  Blüte stand. Ihre Schachabende hatten sie im Nebenzimmer des Hotels Hohenbogen. Es wurde versucht, mit einigen noch lebenden Schachspielern in Verbindung zu kommen und zu unseren Schachabenden einzuladen, was aber leider misslang.“

1922

Am Dienstag, 21. November war zur Gründung eine Schachclubs Furth im Wald in das dem Hotel Hohenbogen gegenüberliegende Bahnhofsrestaurant eingeladen worden.  
Anlass war die bevorstehende Gründung des Schachverbandes der Oberpfalz am 25. November 1922 in Schwandorf. Zu den zwölf Gründungsvereinen zählen der Schachclub Furth im Wald und der Schachclub Waldmünchen. Die anderen zehn Schachvereine waren Amberg, Burglengenfeld, Cham, Mitterteich,  Neumarkt/Opf., Regensburg, Schwandorf, Sulzbach, Waldsassen und Weiden.
 

Von Anfang an war Furth im Wald in der Verbandsführung vertreten durch den Kassier Gustav Koralek, einen jüdischen Kaufmann, der 1933 rechtzeitig vor den Nazis fliehen konnte. Der erste Schachkongress fand vom 28. Juni bis 1.Juli 1923 in Weiden statt, bei dem Koralek zum Schatzmeister gewählt wurde. Der Further Geiger kam im Hauptturnier auf Rang 5. Im Hauptturnier I endete Initiator Bankkaufmann Schmid  auf einen geteilten 4.bis 6. Platz. Im Hauptturnier II wurde Koralek geteilter Fünfter.

Schachkongresse waren damals große gesellschaftliche Anlässe.

Am 24. März spielte man in Furth im Wald gegen den Oberpfälzischen Meister  Hans Mayerhöfer auf 15 Brettern. 13 gingen verloren, Dr. Sieber remisierte und  Jungmann/Sieber (die sich beraten durften) gewannen.

In Furth wurde dienstags und freitags im Bahnhofsrestaurant ab 20 Uhr gespielt, ebenso am Sonntag (Vormittag).

In Waldmünchen spielte man donnerstags im Cafe Feichtmayr, aber auch im Cafe Bacherl. Vorstand im Waldmünchner Verein war A. Pemsl..

1929 schrumpfte der inzwischen auf über 400 Mitglieder angewachsene Verband  durch die Weltwirtschaftskrise. Waldmünchen, Tirschenreuth und Sulzbach fehlten.

In Furth im Wald gab es noch den Arbeiterschachclub, dessen bester Spieler Anton Ohlschmid und sein Freund, der spätere SPD-Bürgermeister Alfred Peter waren. Beide landeten wegen ihrer damaligen kommunistischen Gesinnung im KZ Dachau und kamen als gebrochene Männer zurück.

Efim Bogoljubow, zweimal gegen Weltmeister Aljechin unterlegen, führt in den Dreißiger Jahren eine Simultantournee nach Furth im Wald.  Im „Schach-Kalender 1938“ findet sich auch Furth im Wald nicht mehr. Der Schachverband Oberpfalz existiert auch nicht mehr- er ging auf in den  Gauschachverband  Bayerische Ostmark. Lediglich Cham meldet noch 15 Mitglieder.

50er

 

1954 versammelte sich unter Führung von Martin Vogl im Gasthof  „Himmelreich“ ein kleiner Kreis von Spielern, die eine „Schachgemeinschaft“ ohne Beitrag und Unkosten bildeten. Bei einer Spendensammlung unter diesen Spielern  wurden 14,50 DM erbracht, wofür man Brett und Spielfiguren kaufen konnte. Der Herbergsvater Ludwig Jelinek, der inzwischen Schach erlernt hatte, beschaffte von der Brauerei weitere zwei Spiele.Die Voraussetzungen waren gegeben, dass nicht alle Mitglieder wie bisher zum Schachabend ihr Spielmaterial mitnehmen mussten.

 

Erste Freundschaftswettkämpfe plante man 1954  zweimal gegen den Schachclub Cham, erhielt aber beide Male keine Antwort . Auch der Schachclub Waldmünchen wurde angeschrieben. „Sie kamen nach Furth im Wald, und wir verloren glatt mit 5:11“, notierte Vogl. Der Wettkampf in Waldmünchen wurde mit 6,5:17,5 verloren. Am 2. März 1956 verlor man gegen Kötzting 2,5:6,5, das Rückspiel in Furth endete glatt mit 0:8.

Am 20. März 1956 war aus der losen Spielgemeinschaft ein „Schachclub“ geworden. Die 19 Mitglieder hatten Sepp Bill zum 1.Vorstand gewählt, sich dem Oberpfälzer Schachbund angeschlossen und waren dem Bayerischen Landessportverband beigetreten. Da Bill sein Amt aus beruflichen Gründen aufgeben musste, wurde Ernst Ermer neuer Vorstand. Wie bisher gingen in den nächsten Jahren die meisten Mannschaftskämpfe verloren, die Further stecken aber deswegen nicht auf.

Im April 1956 war man in Schwandorf mit 2:9 unter die Räder gekommen. Es wurde darauf hingewiesen, dass in den Reihen der Further ein sehr aktiver und erfolgreicher Spieler mitspielte. Ferdinand Metzenauer (+1968), ein im Krieg ausgebombter Münchner Problemschachkomponist und Schachspieler, hatte in Lam als Gärtner ein neues Daheim gefunden. Der Rückkampf gegen Schwandorf am 10. Mai 1956 ging knapp mit 8,5:6,5 für die Schwandorfer aus, die bessere Endspieler waren.  

 

Die Sieger des Weihnachtsturniers 1957:

A-Klasse (sitzend) 2.Dr.Grüning, 1. Bowen, 3. Plötz

B-Klasse (stehend) 3. Lecker, 1. Jelinek, 2.Reimer

 

Am 2.Mai 1956 gab es den ersten Sieg gegen Lam  mit 13,5:1,5!  Zwei Wochen vorher hatte man noch 5,5:6,5 verloren. Nachdem die Kötztinger Ende 1956 keine Mannschaft hatten, spielte ihr Spitzenspieler Wirthensohn gegen die Further und gewann 7,5:2,5.  Ende 1956 verlor man noch gegen Waldmünchen 0,5:10,5 und gegen Lam 6:7 und gewann in Lam mit 8:5. Dafür siegten am 28. Dezember 1956 wieder die Waldmünchner mit 7:5.

In die Verbandsrunde starteten die Further mit einem 4:4 gegen Schwandorf und besiegten im Mai den TV 1880 Nabburg mit 4,5:3,5.

Bei einem Vierstädtewettkampf am 30. Mai 1957 belegten die Further hinter Hirschau mit dem Spitzenspieler Georg Böller und hinter SK Schwandorf aber noch vor Weiden Platz 3.  Am 22.11.1957 verlor man wieder gegen Waldmünchen, in deren Reihen Helmut Janka, Günter Baumgartner und Hans Pfaffl spielten, auf Further Seite waren das Dr. Ulrich Grünig, Konrad Lecker und Herman Wagner. Am 28. Februar 1958 gelang dann der erste Sieg gegen Waldmünchen mit 6:4.

60er

Aber von 1959 bis 1962 ruhte der Spielbetrieb in Furth im Wald. Es kam mehrmals zu Versuchen einer Neugründung, so am 3. Oktober 1962 im Gasthaus „Scherbauer“, am 5.Februar 1965 im Gasthaus „Lemberger“. (Gewählt wurde von 17 Mitgliedern Dr. Grünig). Aber mangels Spielbetrieb wurden ebenso wie in Waldmünchen, die Versuche wieder aufgegeben.  
Es musste erst wieder ein Schach-Boom entstehen, der das Interesse für Schach wieder anwachsen ließ. Das war die Zeit, als Bobby Fischer seinen Siegeszug gegen den Rest der Welt und besonders gegen die Russen antrat. Schach beherrschte anfangs der 70er Jahre über Monate die Schlagzeilen - sogar auf Seite 1 der Weltpresse.  

 

 

1971

 

Mit Konrad Lecker (links) und Hans Pfaffl begann die Fusion der einstmals selbstständigen Vereine.

Am 18. März gab es Vorgespräche für einen gemeinsamen Verein.

19 Spieler, darunter ein jugoslawischer Gastarbeiter, gründen am 15.April den Verein - seit 1971 dabei sind Konrad Lecker, Klaus-D. Schmidt, Josef Haas und Max Riedl.

Gründungsvorstand Ermer verstirbt nach 3 Monaten- Konrad Lecker folgt als Vorstand nach.

1.Vereinsmeister: Hans Pfaffl (Waldmünchen)

Beginn der Bayerwald-Blitzschachturniere ( bis 2006)