Problemschach

Auch an dieser Stelle sei nochmals auf unser Kompositionsturnier hingewiesen.

Die Entwicklung des Problemschachs in Furth im Wald

In Corona-Zeiten ist Schach ohne Partner ganz neu zu sehen. Es ist das vor noch einiger Zeit verpönte Problemschach, das eine neue Wertschätzung erlebt Bei unsrem Vorgängerverein spielte ein hoch angesehener Problemchachspieler mit. In den Fünfziger und Sechziger Jahren verstärkte Ferdinand Metzenauer das Further Team, worauf der Gegner aus Schwandorf in der Presse hinwies. Metzenauer, ein im 2. Weltkrieg ausgebombter Problemkomponist aus München, arbeitete bis zu seinem Freitod 1968 als Gärtner in Lam.
Viele Turnierschachspieler konnten dem Schachproblem nichts abgewinnen. In der Oberpfalz hatte Georg Böller im Weidner Neuen Tag eine Schachecke, aber nicht mehr als ein Dutzend Problemlöser. Als ich 1986 Bezirksvorsitzender der Oberpfalz wurde, sah er eine Chance zur Profilierung von Problemschach. Er stellte mir Gerhard E. Schoen (Weiden) vor, der für den Furth-Waldmünchner Schachclub ein herrliches Problemschachturnier organisierte: Durch seine Verbindungen kam ein Formalturnier (ohne Dame und Läufer) mit 96 Einsendungen aus vier Kontinenten zustande. Er war zugleich Preisrichter. Zur Preisverleihung kam der Sieger in der Abteilung Dreizüger Norbert Geissler von Neu-Ulm nach Waldmünchen. Dr. Baldur Kozdon gewann zusammen mit Manfed Zucker (DDR) die Mehrzügerabteilung und hielt ein begeisterndes Referat über Problemschach. Manfred Zucker erhielt seinen Preis 1993 bei der Dt. Lösemeisterschaft in Furth im Wald. Das war die Initialzündung für Problemschach in der Grenzstadt. Manfred Macht, seit Jahren einer der besten Löser der Zeitschrift Schach, löste im stillen Kämmerlein vor sich hin und bat mich, ihn zum „Schwalbe-Treffen“ 1991 nach Sulzbach-Rosenberg zu begleiten. Noch im Auto sah ich das „Unheil“ kommen. Manfred war dem Schachproblem schon verfallen. Ich machte mit, weil ich die Chancen für unseren Verein sah: Nach Kongressende fuhr der damalige Weltpräsident Claus Wenda (Wien) über Furth im Wald heim, um mit Miroslav Bily im 17 km nahen Kdyne (CZ) den weltbesten Hilfsmattspezialisten zu besuchen – von dem wir noch nie gehört hatten. 1993 trug Furth im Wald die Deutsche Meisterschaft im Problemlösen aus, an der auch Manfred Macht mit einem respektablen Ergebnis teilnahm. 1994 geschah etwas, das zeigte, dass Problemschach in Furth im Wald angekommen war: Die erste von weit über 200 Ausgaben der Vereinszeitung erschien. Manfred Macht war Herausgeber und Redakteur einer kostenlosen Zeitung mit 12 Seiten, davon 3 Seiten  Problemschach.  Die gibt es auch in digitaler Form. Von klein auf wusste man, es gibt eine Form von Schach, da kann man auch alleine spielen. Und manche Aufgaben sind super.
Bei der Bayrischen Meisterschaft im Turnierschach 1999 in Furth gewann der Russlandaussiedler Schunk im Rahmenprogramm auch ein Löseturnier relativ leicht, weil die Schachhausaufgaben in seiner Jugend in Russland das Lösen von Studien vorsahen. 2002 veranstaltete der Further Schachclub einen Bay. Problemschachtag, an dem der 1. Und 2. Präsident und der Bayerische Problemschachwart teilnahmen. Ehrengast war MdL und Staatssekretär Markus Sackmann, dessen Großvater Franz bis zu seinem Tod einer der führenden deutschen Problemschachspieler war. 1997 und 2012 richteten wir erneut die Lösemeisterschaften aus, die inzwischen Internationale geworden waren. Die Teilnehmer aus 8 Ländern kamen von Moskau bis Antwerpen. Hier demonstrierten Spezialisten, dass sie härteste Probleme mit dem Kopf (statt mit dem Computer) in einem vorgeschriebenen Zeitrahmen lösen können- allen voran Arnold Zude, der Schachspieler mit den meisten deutschen Meistertiteln. Die Meisterschaft 2012 war auch die bislang qualitativ beste Veranstaltung mit fünf Ex-Weltmeistern in der Oberpfalz.
Durch die Vereinszeitung (ab 1994) mit 3 von 12 Seiten Problemschach hatte man sich in Furth im Wald an das Schachproblem gewöhnt. Macht hatte Böller zu Ehren 1989 ein Selbstmatt komponiert. In der Festschrift des Bayerischen Schachbunds Aufbruch ins dritte Jahrtausend heißt es auf Seite 204: „Vielleicht ist dieser Schachclub erste Adresse im Problemschach. Und das nicht nur in der Oberpfalz.“ Macht erhielt für seine Verdienste inzwischen die Ehrennadel des Schachverbands der Oberpfalz in Bronze. Der rund vier Jahrzehnte jüngere Tobas Hirsch unternimmt die ersten Lösungsversuche im Rahmen des Löseturniers „50 Jahre deutsche Schachjugend“, an der alle Junioren U27 teilnehmen dürfen. Fünf Monate lang sind jeweils zehn Diagramme zu lösen.

Rückblick auf das Formalturnier 1986

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens veranstaltete der SC Furth im Wald / Waldmünchen ein Formalturnier. Aufgabe: außer König und Bauer(n) dürfen nur Türme (stellvertretend den Stadtturm Furth im Wald) und Springer (Waldmünchen mit Trenck der Pandur) in der Ausgangsstellung eingesetzt werden.
Kategorie: Drei- und Mehrzüger 94 Diagramme aus drei Kontinenten wurden eingesandt
Preisrichter: Gerhard E. Schoen

Sieger Dreizüger Norbert Geissler, Ulm

Lösung: Satzspiel:
1….Sc7+ 2.Sxc7 Txc7 3.Sxb6#
1….Txc7 2.Sxb6+ Sxb6 3. Sxc7#
Spiel:
1. Ka7 a) Sxc7+2.Sxb6 Txb6 3.Sxc7#
b) 1…Txc7 2. Sxc7 + Sx7 3.Sxb6 #

Sieger Mehrzüger ex aequo

Manfred Zucker, Karl-Marx-Stadt (DDR) (#4)

Lösung: 1. Kb2 Ka4 2.Sc7 Kb5 3. Th5 Ka4 4. Kh4# (Mustermatt)
3. … a4 4. Tb5#
1. … a4 2. Kc3 Ka5 3.Sc7 a3 4.Ta6 (Mustermatt)
2. …a3 3. Sc7 Kc5 4. D4 # (Mustermatt)
3. …Ka5 4. Ta6#

Dr. Baldur Kozdon, Bayreuth (#6)

Lösung: 1.Tb2 (dr. Tb1#) g1D 2.Ka7 Dg2 3. b8D gf3 4. Dg3 Dg2 5. Dxf3 6.Df1D